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13. März 2015

„Der schwarze Panther, er faucht“

Ein Sarg steht auf der Bühne und wartet geduldig auf den Toten, wie ein Stuhl auf einen erschöpften Wanderer.

In Güllen ist Claire Zachanassian mit Ehemann, Gefolge und einem schwarzen Panther zu Besuch und macht ein verlockendes Angebot. Eine ganze Milliarde für die Stadt Güllen gegen einen Mord. Die alte Dame von Dürrenmatt ist kalt und berechnend, von Rache getrieben spielt sie ihr Spiel, wie eine Partie Schach, deren Züge sie bereits alle schon kennt.

Den Schüler_innen der 12. Klasse der Freien Rudolf-Steiner-Schule Ottersberg gelingt es in ihrem Spiel eine Atmosphäre von sich steigernder Spannung und einer erdrückenden Ausweglosigkeit zu schaffen. Die Charaktere der Bewohner von Güllen sind gut ausgearbeitet, Alfred Ill, der Kaufmann, über dessen Unrecht doch schon lange Gras gewachsen ist, der Bürgermeister, der für sein Städtchen die Sorge trägt, die Rektorin, in deren Händen die humanistische Bildung liegt, die Pastorin, die Alfred Ill zur Flucht rät und die lispelnde Polizistin, die den Rechtsstaat repräsentiert.

Besucher/innen im Foyer
Besucher_innen im Foyer der Schule

Das Foyer vor dem Großen Saal füllt sich langsam, die Türen sind noch geschlossen, ab und zu sieht man jemanden rein huschen. Die Aufführung ist gut besucht, im Saal sind später kaum noch Plätze frei. Neben einem Fotografen mit Stativ und ausladendem Objektiv, macht sogar jemand Aufnahmen mit einer Steadycam. Das Stück beginnt auf dem Güllender Bahnhof. Aus dem Gespräch der Wartenden erfahren die Zuschauer_innen, wie es um Güllen steht, immer wieder unterbrochen von durchfahrenden Zügen.

Außer der Hauptbühne gibt es noch eine kleinere Bühne in der Saalmitte, die über einen Steg mit ihr verbunden ist. Hier spielen intimere Szenen, Claire und Alfred im Wäldchen oder eine Autofahrt mit der Familie. Trotz der Dramatik, kommt der Humor nicht zu kurz, angefangen mit dem somnambulen Bahnhofsvorsteher, über die beiden blinden Kastraten, die das Publikum auch in den Umbaupausen mit einer Tanzeinlage unterhalten bis hin zu den überdrehten Reporterinnen am Ende des Stückes.
Einen Gastauftritt der besonderen Art haben die Schüler_innen der 4. Klasse, sie singen und bringen Claire bei Ihrer Ankunft ein Ständchen auf der Blockflöte.

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[8 Bilder] - Besuch der alten Dame

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Das Stück haben sich die Schüler_innen selbst ausgesucht, die Rollen selbst verteilt. 9 Wochen vor der Premiere haben die Proben begonnen, geleitet von Dzenet Hodza, Theaterpädagogin aus Wardenburg. Anfangs wurde 2,5 Std. pro Woche geprobt, erst in den letzten 14 Tagen dann ganztags und täglich. Neben Ihrer/seiner Rolle hatte jede_r Schüler_in auch eine Aufgabe in einer Arbeitsgruppe (Bühnenbild, Requisite, Kostüme, Öffentlichkeitsarbeit, Soufflage, Maske, Regieassistenz, Technik Ton, Technik Licht). Während der kurzen Zeit mussten viele Dinge gleichzeitig passieren. „Mit Proben aus dem Theater haben die Proben nicht viel gemeinsam.“ sagt Dzenet Hodza.
Trotz dieser schwierigen Umstände ist die Klasse auf humorvolle Art mit Stress umgegangen und hat einen intensiven Zusammenhalt in der Arbeit entwickelt.

Dzenet Hodza über die Arbeit am Stück

„Herausgefordert hat uns sicherlich, das fast alle Figuren in dem Stück sich jenseits ihrer Blüte
befinden und weit über 50 sind. Die inneren Konflikte und Lebensumstände der Figuren, ja der
ganze Zeitgeist erschien uns sehr verstaubt und längst en passé. Sie entsprechen nicht gerade dem inneren Erleben junger Menschen. So eine „alte Kamelle“ wie Dürrenmatts Dame ist halt kein
modernes Stück und die alten Bonmots bedurften wirklich eines Goodwills Aller, um zu sagen:
Hey, wir schaffen das trotzdem!
Somit war es für die Spieler_innen eine Herausforderung ihre Figur stark zu übertreiben, mit Klischees umzugehen und dabei nicht wie eine bloße Karikatur zu wirken. Wie auch immer, ich finde, das hat die Klasse prima gelöst!
Eine weitere Herausforderung in dem Stück ist, dass sehr viel gesprochen wird, so viel das man am Ende fast dankbar ist, das sie den armen Ill nun endlich umbringen. Vielleicht hätte ich mehr Text kürzen sollen?

Zu guter letzt kommt es aber nicht ausschließlich auf die Ergebnisse der Aufführungen an, sondern
auf die gemeinsam erlebte Zeit, in der so viel mehr passiert, als am Ende gezeigt werden kann.“

Am Ende hat Dzenet Hodza die Aufführung gut gefallen. Sie ist froh, dass alle ins Spiel gefunden haben. Die Figuren waren lebendig und glaubhaft. Die Spielfreude hat die ganze Kraft der Schüler_innen mobilisiert, es war ein würdiger Abschluss für die intensive Probenzeit.

Speiler/innen auf der Bühne

Das fanden wohl auch die Zuschauer_innen, die ihrerseits ihr Bestes gegeben haben sich für die Darbietung zu bedanken.

GUI

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